Am Sonntag hat Öl die Marke von 100 US-Dollar durchbrochen, angefacht durch weitere
Zeichen einer Eskalation des Iran-Kriegs. Trump betont, dass ein Ölpreis von über 100
US-Dollar ein kleiner Preis dafür sei, den Iran zu besiegen.
Wir haben eine der turbulentesten Handelswochen der letzten Jahre erlebt.
Der Volatilitäts-Index für Öl erreicht Niveaus, die es seit 2010 nur einmal gab, nämlich
zum Zeitpunkt des Zenits der Pandemie, während parallel der S&P 500 so weit von den
alten Rekorden noch nicht notiert.
Der Ölpreis für WTI ist in nur einer Woche um mehr als 36 % gestiegen – der stärkste
Anstieg seit mindestens 1985. Ein Grund dafür ist der stark eingeschränkte Tankerverkehr
in der Straße von Hormus. Zudem warnte der Energieminister von Katar vor einem
möglichen Produktionsstopp in der Region. Gleichzeitig stellte er einen möglichen
Ölpreisanstieg auf bis zu 150 US-Dollar in den Raum.
Die aktuelle Entwicklung erinnert an den Beginn des Ukraine-Kriegs 2022. Damals sprang
der Ölpreis von etwa 90 auf 120 US-Dollar. Zwar sind wir noch nicht auf diesem Niveau,
doch der prozentuale Anstieg ist ähnlich stark.
Technisch betrachtet gilt Öl bereits bei rund 91 US-Dollar als stark überkauft – ein
Zustand, der historisch nur selten vorkommt.
WO LIEGT DER BODEN?
Auch die Aktienmärkte außerhalb der USA reagieren nervös.
Der MSCI-Index für globale Aktien ohne US-Titel lag am Freitag etwa 6,6 % unter den
Höchstständen vor dem Angriff auf den Iran. Damit ist der Rückgang ähnlich groß wie
nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022.
Korrekturen, die in einem Umfeld von Optimismus stattfinden und durch externe Schocks
ausgelöst werden, enden in der Regel erst, wenn mehrere typische Marktmechanismen
greifen.
- Erstens müssen über verkaufte Sektoren ihre Tiefpunkte erreichen. Dazu zählen
der Bitcoin, die Softwarewerte, die „Magnificent Seven “ und Aktien aus dem
Private-Credit-Bereich. - Zweitens müssen die zuvor stark überkauften Sektoren deutlich korrigieren. Dazu
gehören Gold, die Halbleiterwerte, und Aktien aus den Bereichen der
Industriemetalle, der Schwellenländer, der europäischen Aktien sowie der
Banken.
Beide Mechanismen wurden letzte Woche ausgelöst. Aktuell werden mehr Anteile an den
Märkten verkauft als gekauft!
Für eine echte Bodenbildung am Markt fehlt noch ein wichtiger Schritt.
Normalerweise verlieren in dieser Phase die klassischen sicheren Häfen an Stärke. Dazu
zählen vor allem Öl und der US-Dollar.
Ein klares Entspannungssignal wäre daher:
- Der Ölpreis stabilisiert sich zuerst
- Danach fallen Ölpreis und US-Dollar gemeinsam
Außerdem fehlt noch der typische „Wash-out“. Das ist eine letzte, starke Verkaufswelle,
bei der viele Anleger aus dem Markt gedrängt werden. Dafür müsste der S&P 500
kurzzeitig unter 6.600 Punkte fallen.
Ein weiteres Problem:
- Viele Anleger sind noch zu optimistisch positioniert
- Eine panische Reaktion der Zentralbanken ist bisher ausgeblieben.
Eine Ausnahme ist bislang Südkorea, wo die Geldpolitik bereits reagiert hat.
DAS GABS SCHONMAL – RICHARD NIXON
Wie bereits mehrfach erwähnt, sind die Parallelen zwischen der Zeit von Richard Nixon
und der heutigen Ära um Donald Trump erstaunlich groß. Laut der Bank of America
ähneln die 1970er-Jahre in vieler Hinsicht den 2020ern – auch wenn der Vergleich nicht
perfekt ist. In den 1970ern sorgten sehr lockere Geld- und Fiskalpolitik zunächst für einen starken
Boom an den Börsen.
Der damalige Fed-Chef Arthur Burns senkte die Zinsen deutlich – auch unter politischem
Druck von Präsident Nixon. Doch der Boom hielt nicht lange.
Hohe Inflation und der starke Anstieg der Ölpreise – unter anderem ausgelöst durch den
Jom-Kippur-Krieg im Oktober 1973 – brachten die Lage zum Kippen.
Die US-Notenbank musste daraufhin die Zinsen stark anheben. Das führte Mitte der
1970er Jahre zu einer Rezession.
Die Folgen für die Börse waren heftig:
Zwischen 1973 und 1974 verlor der Aktienmarkt rund 45 % an Wert.
FAZIT
CASH IS KING! – Wie auch beim Letzen mal empfehle ich ruhig zu bleiben und abzuwarten.
Wer kann, sollte seine Rücklagen auf Tagesgeldkonten ausbauen. Sobald erkennbar ist,
dass wir das gröbste Überstanden haben, kann dann nachinvestiert werden und „günstig“
eingekauft werden.
Beste Grüße
Oliver

